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    Analyse der Vermögensstruktur

    von Jochen Treuz | 21.10.2013

    Die Vermögensstruktur gibt Auskunft über die Art, die Zusammensetzung, den Aufbau und die Bindung des Vermögens, d.h. aller im Eigentum des Unternehmens stehenden Wirtschaftsgüter des Anlage- und Umlaufvermögens. Die Hauptfrage bei der Untersuchung der Vermögensstruktur heißt: Ist das Unternehmen angemessen mit Anlagen- und Betriebsmitteln ausgestattet? Die erste zu untersuchende Kennzahl in diesem Zusammenhang ist die Anlageintensität.

    Anlageintensität

    Anlageintensität = Anlagevermögen / Gesamtvermögen

    Die Anlageintensität gibt Auskunft über den Anteil des im Unternehmen langfristig gebundenen Kapitals. Sie lässt erkennen, in welchem Umfang Umsatzrückgänge durch einen Fixkostenanteil, zu Verschlechterungen der Ertragslage führen können.

    Manchmal wird auch diese Kennzahl ermittelt:

    Arbeitsintensität = Umlaufvermögen / Gesamtvermögen

    Arbeitsintensität = Umlaufvermögen / Gesamtvermögen

    Die Arbeitsintensität gibt Auskunft über den Anteil des im Unternehmen kurzfristig gebundenen Kapitals.
    Wie bereits in der Einführung zur Bilanzanalyse erwähnt, gelten für Unternehmen unterschiedlicher Branchen oftmals unterschiedliche Richtwerte für die Kennzahlen.
    Dies trifft auch hier zu: für Fertigungsbetriebe sollte das Verhältnis Anlagevermögen 40 % und Umlaufvermögen 60 % betragen. Im Handelsbereich sollte die Aktivseite der Bilanz zum größten Teil aus Umlaufvermögen bestehen.
    Das vorhandene Kapital sollte nicht ins Anlagevermögen, sondern in die Betriebsmittel investiert werden. Denn: Hohes Anlagevermögen bedeutet immer auch eine hohe Kapitalbindung, die meist langfristig zu sehr hohen Fixkosten durch Zinszahlungen führt.
    Das kann zu Schwierigkeiten bei einer nachlassenden Kapazitätsauslastung führen.
    Ein weiteres Problem bei der Beurteilung dieser Kennzahlen ist die Übernahme von Vermögenswerten in Leasingverträge.
    Dieser Vorgang wird sich in einer Verbesserung der Kennzahl Anlageintensität niederschlagen, ohne dass sich am Umfang der dauerhaft genutzten Vermögenswerte tatsächlich etwas geändert hat. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass sich bei einer Bilanzierung nach IAS/IFRS langfristig genutzte Vermögenswerte auch in der Bilanz wieder finden, und Kennzahlen bezüglich der Vermögensstruktur dadurch aussagekräftiger werden.

    Sachanlagenbindung und Gesamtkapitalumschlag

    Hier wird die Frage untersucht: Wie lange ist das Vermögen gebunden bzw. wie schnell können Vermögensteile durch den Umsatzprozess umgeschlagen werden?

    Sachanlagenbindung = Anlagevermögen / Umsatzerlöse

    oder auch:

    Gesamtkapitalumschlag = Umsatzerlöse / Gesamtkapital

    Die Kennziffer “Gesamtkapitalumschlag” gibt an, wie oft das eingesetzte Vermögen im Geschäftsjahr verflüssigt wurde. Die Höhe des Gesamtkapitalumschlags hängt allerdings stark von der Branche ab. Der Gesamtkapitalumschlag wird im Handel in der Regel höher sein, als im verarbeitenden Gewerbe. Eine auf 100 % zurückgehende Umschlagsziffer (also Umsatz gleich Gesamtkapital) deutet immer auf eine schlechte Entwicklung hin. Zu erwähnen ist auch hier, dass sich durch Einsatz von Leasing diese Kennzahl optisch wesentlich verbessern kann.

    Zur Beurteilung der ermittelten Kennzahl entstehen hier folgende Fragen:
    • Wie sind die einzelnen Vermögensteile bewertet worden?
    • Sind stille Reserven vorhanden?
    • Sind in den Vorräten auch Ladenhüter enthalten?
    • Ist ein Warenlager in dieser Höhe notwendig?
    • Wie wurde die halbfertigen Warenprodukte bewertet?
    • Wie ausfallgefährdet sind die Forderungen?

    Investitionsquote

    Investitionsquote =
    Bruttoinvestitionen (= Zugänge Sach- und immaterielles Anlagevermögen) x 100/Gesamtleistung

    Diese Kennzahl gibt an, wie viel Prozent der Gesamtleistung im untersuchten Zeitraum investiert wurden.
    Interessant ist dabei auch die Ermittlung dieser Kennzahl auf Grundlage der Nettoinvestitionen.
    Die Nettoinvestitionen errechnen sich so:

    Bruttoinvestitionen – Abschreibungen = Nettoinvestitionen

    Sind in einem Zeitraum die Nettoinvestitionen größer Null, kann man erkennen, dass ein Unternehmen über die reine Substanzerhaltung hinaus investiert hat.
    In diesem Fall liegt eine Kapazitätserweiterung vor. Die Investitionsquote zeigt die unternehmerische Bereitschaft und Fähigkeit der Vergangenheit, durch Modernisierungs- und Erweiterungsmaßnahmen die Grundlagen für zukünftiges Wachstum zu schaffen.
    Durch Branchenvergleiche und Zeitvergleiche lässt sich das Investitionsmuster eines Unternehmens erkennen.
    Oft fällt auf, dass vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen Investitionen nicht gleichmäßig, sondern schubweise vorgenommen werden:
    Einer Phase umfangreicher Investitionen folgt dann meist eine Phase, in der die Investitionen stark zurückgehen.
    Daher muss die Entwicklung dieser Kennziffer immer über mehrere Jahre hinweg beobachtet werden, um nicht zu falschen Schlussfolgerungen zu kommen.
    Es empfiehlt sich, ergänzend zur Investitionsquote auch den Anlagenabnutzungsgrad zu betrachten (siehe unten).

    Gefahr der Verfälschung durch geleastes Vermögen

    Auch bei der Beurteilung der Investitionsquote ist zu berücksichtigen, dass das betriebsnotwendige Anlagevermögen durch Leasing finanziert worden sein kann.
    Die so finanzierten neue Anlagen sind dann nicht in jedem Fall in der Bilanz bzw. nicht als Abschreibungsaufwand in der GuV des Unternehmens zu erkennen. Die ohne Leasing ausgewiesenen Quoten weisen dann auch die Entwicklung des Anlagenbestandes zu niedrig aus.
    Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass neben den Sachanlageinvestitionen natürlich auch andere Investitionen, wie Beteiligungskäufe, den zukünftigen Erfolg eines Unternehmens mitbestimmen. Dies gilt auch für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. Bei der Beurteilung des Investitionsverhaltens eines Unternehmens dürfen solche Aktivitäten nicht übersehen werden.

    Anlagenabnutzungsgrad

    Anlagenabnutzungsgrad =
    Kumulierte Abschreibungen/ Sachanlagevermögen zu ehemaligen Anschaffungs-/Herstellungskosten

    Der Anlagenabnutzungsgrad stellt das Verhältnis zwischen ursprünglichen Anschaffungs- und Herstellungskosten und den bisher darauf vorgenommenen Abschreibungen dar.
    Mit Hilfe des Anlagenabnutzungsgrades lässt sich die Altersstruktur der Anlagen beurteilen: Je höher die Kennziffer, desto älter sind die Anlagen. Die Kennziffer gibt einen Hinweis darauf, ob in den vergangenen Perioden in ausreichendem Maße Investitionen vorgenommen und damit die Produktionseinrichtungen laufend dem technischen Fortschritt angepasst wurden. Sie ergänzt somit die jahresbezogene Investitionsquote (siehe oben).

    Mögliche Verfälschung durch Miete oder Leasing

    Auch hier ist bei der Interpretation zu berücksichtigen, dass diese Kennzahl durch Miete oder Leasing von Anlagevermögen, und durch steuerrechtlich bedingten Abschreibungsmöglichkeiten beeinflusst wird. Bei eine sehr hohen Kennzahl ist ein sehr hohen Reinvestitionsbedarf beim Unternehmen zu vermuten. Entsprechend wird die Bank davon ausgehen, dass der zukünftige Kapitalbedarf und damit die Verschuldung des Unternehmens ansteigen wird.

    Lagerbindung oder Umschlagdauer

    Lagerbindung = Vorräte / Durchschnittlicher Monatsumsatz

    Diese Kennziffer gibt an, innerhalb wie vieler Monaten das Lager umgesetzt wird. Die Kennzahl wird deshalb auch als Umschlagdauer bezeichnet. Viele Unternehmen haben ein zu hohes Warenlager. Eine hohe Lagerbindung verursacht einen entsprechenden Finanzierungsbedarf. Umgekehrt lässt eine sinkende bzw. unter dem Branchendurchschnitt liegende Lagerbindung vermuten, dass das Unternehmen mit Erfolg eine Optimierung seiner innerbetrieblichen Prozesse betreibt. Zur Überprüfung wird die Kennziffer Lagerbindung errechnet. Je nach dem ob es sich um einen Produktions- oder Handelsbetrieb handelt, ergeben sich stark unterschiedliche Kennzahlen für das Verhältnis der Vorräte zu der Gesamtleistung bzw. das Verhältnis der Vorräte zum Wareneinsatz.

    Debitorenziel

    Debitorenziel= Forderungen aus LuL / Durchschnittlicher Monatsumsatz

    Die Kennziffer gibt die durchschnittliche Länge des gewährten Zahlungsziels für die Kunden an. Die Gewährung von Zahlungszielen muss zwischenfinanziert werden und schränkt daher die eigene Liquidität ein.
    Es ist zu untersuchen, ob hohe Zahlungsziele vom Markt erzwungen werden, oder ob bei der Beurteilung von Kunden Fehler bei der Auftragsannahme gemacht wurden.
    Ein Branchenvergleich gibt Aufschluss über die branchenüblichen Zahlungsziele.
    Beim Vergleich ist auch zu beachten, mit welchen Abnehmerländern Geschäfte gemacht werden.
    Besonders bei südeuropäischen Ländern sind längere Zahlungsziele üblich. In allen Fällen ist eine Betrachtung der Veränderung von Zahlungszielen im Zeitablauf sinnvoll.

    Verfälschung durch Factoring

    Bei der Interpretation dieser Kennziffer ist zu prüfen, ob unterdurchschnittlich kurze Debitorenziele beispielsweise durch Factoringfinanzierungen verursacht sind. Dabei werden Kundenforderungen an Factoringunternehmen verkauft.

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